#6

Ich betrete den Schulhof mit C. zusammen, wir sind wie immer die ersten an der Schule. Wir gewöhnen uns daran die ersten an der Schule zu sein, und die letzten beim abhohlen zu sein. Was sollen wir schon großes daran ändern, anders lässt es sich ja nicht in diesem Heim regeln.
C. packt eine ihrer Zigaretten raus, und hält mir eine hin, ich nicke dankbar und zünde sie an. Es ist meine erste an diesem Tag. Heute Morgen stande ich schon wieder total unter Zeitdruck, gerade so meine Haare zu kämmen, mehr war nicht drin. Ich bin ungeschminkt und fühle mich nackt und hässlich, diese Nacht konnte ich schon wieder nicht schlafen und lag Ewigkeiten wach, ich kann einfach nicht mehr schlafen, viel zu viele Gedanken kreisen in meinem Kopf hin und her und kehren immer wieder zurück. Jeden Abend liege ich mit einem Druck im Bett, ich will mich schneiden, ich will bluten, ich will leben, ich will atmen. Doch ich lasse es, ich muss es untedrücken, zwei Monate ohne Selbstverletzten ist mein Rekord, auch wen es ungewohlt war. 
''Du siehst total müde, und fertig aus.'' sagt C. zu mir und sie lächelt mich an. ''Ja, ich hatte mal wieder keine Zeit, wie immer.'' Wir fangen an uns über das Heim aufzuregen, in welchem wir Leben, wir hassen es beide, so sehr. Jeder der dort ist hasst es.
Langsam füllt sich der Eingangsbereich mit Schülern, zuerst sind es nur 10, dann 20, 30, 35 .. ich höre auf zu zählen, viel zu viele Menschen stehen hier und schauen mich an, als wen ich der letzte Dreck wäre. Ich zünde mir eine meiner Zigaretten an und versuche C. in ein Gespräch zu verwickeln, was mich in irgendeiner Art ablenken könnte, was dennoch erfolglos ist. Ich sehe das grinsen in ihren Gesichtern wie sie zu mir schauen, sich schnell um drehen und lachen. Dann klingelt es Gott sei dank endlich und wir können die Schule betreten. In der ersten Stunde haben wir Kunst, und ich gehe zu den Kunsträumen und höre wie ein Mädchen zu mir gewandt sagt, das ich doch immer hässlicher werde. Ich drehe mich weg und seufzte leise so das nur ich es höre. Innerlich stelle ich mir dir Frage ob ich wirklich so scheiße aussehe, bin ich wirklich so hässlich? Die Bestätigung bekomme ich schließlich als wir Sport haben, ich an der Klasse vorbei gehe und alle 30 Schüler laut zu mir gewant 'Ih, da kommt sie!' schreien. Ich fühle mich ekelhaft und nutzlos, alle Menschen hassen mich, verständlich. Bei einem so verdreckten Charackter. N. bekommt meine wunderbare Laune natürlich zu spüren und fragt mich was los sei. Was soll schon los sein? Nichts. Wie immer.
Wir starten eine lange Diskussion darüber was wertlos bedeutet, und wie ein Mensch wertlos sein kann. Das letzte was sie sagt ist: ''Du bist wundervoll so wie du bist, und in keiner hinsicht wertlos oder so ein scheiß! Hör nicht auf diese dummen Leute, die kennen dich einfach nur nicht. Aber ich kenne dich und weiß wie toll du bist.'' Ich winke ab, und gehe zu den Umkleidekabinen um mich umzuziehen, mal wieder brüllen alle in meine Richtung. Ich versuche es zu ignorieren aber ich kann machen was ich will, es geht eben doch in mich hinein und macht mich fertig. An der Umkleidekabine fängt mich ein Typ aus meiner Klasse ab ''Du bist scheiße und hässlich!'' ruft er mir zu und rennt weg, dann höre ich wie die ganze Klasse über mich lacht. Gut das reicht, ich gehe in die Umkleidekabine nehme mir meine Raiserklinge aus der Tasche, verschließe mich im Schulklo ein und weine. Ich kann, will und möchte nicht mehr! Mir ist alles egal und ich ramme mir die Klinge in meinen Arm hinein wo ich den Schnitt sauber durch ziehe. Ich denke an rein garnichts mehr, ich merke nurnoch wie der Druck in mir nach lässt.. ein wunderbares Gefühl. Dieser Vorgang passiert noch einige Male, bis das Blut an meinen Armen hinunter fließt und auf dem Boden aufkommt. Erst jetzt wird mir bewusst was ich getahen habe. Scheiße! Hahlt es nur durch meinen Kopf, und ich versuche mit Klopapier die Wunde zu stillen, was mir nicht gelingt. Ich ziehe meine College Jacke schnell an und renne in das Seketariat, wo ich total aufgelöst erzähle was soeben passiert ist. Die Schul Pädagogin nimmt mich mit und es wird im Heim angerufen. Irgendwas mit einem Krankenwagen habe ich noch gehört ehe ich mit Pädagogin hinauf gehe, das Gespräch ist unnötig und vernimmt keinen richtigen Verlauf. Ich werde nicht's sagen, nein. Das steht fest. 
Nach ewigen Minuten des wartens werde ich endlich abgehohlt und kann mich auf den Stress freuen der mir im Heim bevorsteht. Aber ich bin Glücklich, ich habe mich geritzt, es hat geholfen. Es war traumhaft, ich bin Glücklich. Ich habe es geschafft wieder Glücklich zu sein und für einen Moment leben zu können, während der Autofahrt schaue ich nur aus dem Fenster und bekomme nichts von all dem mit was mir gesagt wird. Ich würde gerne zuhören, aber es geht nicht. Kann gerade nichts anderes außer still und verlassen hier zu sitzten.

1 Kommentar: